Medikamentensucht im Altersheim

veröffentlicht am 18. Jun, 2012 by in News

Man kennt es von Problemjugendlichen und von Hollywood-Stars: Medikamenten- und Alkoholsucht. Doch auch da, wo man es eigentlich nicht vermutet, sind diese Probleme durchaus präsent. Laut Angaben des Pflegepersonals haben in etwa sieben Prozent der Betreuten im Altenheim Probleme solcher Art. Um gezielt gegen diese Situation vorzugehen, gilt es zunächst, Ursachenforschung zu betreiben. Anschließend kann man den Hebel da ansetzen, wo der größte Effekt erzielt wird. Die Suchtexpertin der SPD vermutet, dass die Abhängigkeit dadurch erzeugt wird, dass Hausärzte für Senioren ungeeignete Medikamente verschreiben. So sind die Senioren bereits vor dem Einzug in das Altenheim abhängig. Das kann zu Problemen führen, sofern die Medikation aufgrund der veränderten Umstände ebenso geändert werden muss. Die Alternative zum Pflegeheim, die häusliche Pflege, kann das Problem zwar nicht entschärfen, jedoch bleibt die Gefahr durch eine medikamentöse Umstellung im Rahmen.

Oftmals ist das Pflegepersonal mit dem Alltag der Pflege schon überfordert. Wenn die Suchtprobleme der Senioren die Situation weiter verschlimmern, sind Unglücke vorprogrammiert. Auch die Alkoholsucht ist in den Seniorenheimen verbreitet. Oftmals bekommen die Pfleger das Problem erst mit, wenn es zu spät ist. Noch mobile Senioren verabschieden sich zu einem Spaziergang, um sich im Supermarkt eine Flasche Schnaps zu besorgen. Erkennen die Pfleger am Geruch, dass die Person Alkohol in geraumen Mengen konsumiert hat, kann man nichts mehr dagegen unternehmen. Ein Ausgehverbot für solche Fälle ist keine gute Lösung, aber oftmals die einzige. Permanente Aufsicht ist bei dem Mangel an Fachkräften, welcher derzeit bei der 24 Stunden Seniorenbetreuung herrscht, kaum zu gewährleisten. Ein weiterer Weg ist eine Therapie, die die Senioren in den seltensten Fällen selbst bezahlen können und wollen. Die Pflege- und Krankenkassen kommen für solche Kosten nicht immer auf, was zur Folge hat, dass die Situation weiter besteht und Pfleger sowie Bewohner des Pflegeheims weiter belastet.

Wenn die Senioren im Pflegeheim mit Medikamenten ruhig gestellt werden ist das nicht förderlich. Andererseits kann man nicht vom überforderten Pflegepersonal verlangen, das bei den Bewohnern ohne Medikamente zu tun. Das würde aus zeitlichen Gründen nicht funktionieren und die psychische Belastung für die Pfleger wäre ebenfalls bedrohlich. Wenn von den Senioren statt des Platzes im Seniorenheim eine Altenpflege Zuhause beansprucht wird, ist es wahrscheinlicher, dass der Pflegebedürftige zu den Medikamenten oder zur Flasche greift, da er ja nicht den ganzen Tag beaufsichtigt wird.

Neben den allgemeinen Schwierigkeiten in der Branche der Seniorenbetreuung sollte man das Problem der Abhängigkeit von Alkohol und Medikamenten im Auge behalten. Gerade bei der durch das stressige Arbeitsleben vorbelasteten Generation, könnten diese Problem künftig stark ansteigen.

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